Die Pflanzenschutz-Dokumentation wird aufwendiger, die Pflichten nehmen zu – und abends wartet der Papierstapel. Ein KI-Sprachassistent auf dem Smartphone kann gesprochene Eingaben direkt in normkonforme Protokolle umwandeln. Das spart Zeit und Nerven. Doch wie gut funktioniert das wirklich, und wo liegen die Grenzen?
Wenn abends noch der Papierstapel wartet
Es ist ein vertrautes Bild auf Ackerbaubetrieben in ganz Deutschland: Nach einem langen Tag auf dem Schlepper sitzt der Betriebsleiter abends noch im Büro und tippt Pflanzenschutzmaßnahmen in die Schlagkartei ein. Welcher Schlag, welches Mittel, welche Aufwandmenge, welches BBCH-Stadium – alles muss lückenlos erfasst werden.
Laut Daten des Deutschen Bauernverbandes wenden Ackerbaubetriebe im Schnitt rund 3,6 Stunden pro Woche allein für die Dokumentation des Pflanzenschutzmitteleinsatzes auf. Bei Tierhaltungsbetrieben kommen weitere Dokumentationspflichten hinzu. Insgesamt verbringen Landwirte etwa 32 Stunden im Monat mit bürokratischen Pflichten – fast eine volle Arbeitswoche.
Mehr Pflichten, weniger Zeit
Neue Dokumentationsanforderungen seit 2026
Seit dem 1. Januar 2026 gelten in Deutschland erweiterte Aufzeichnungspflichten für Pflanzenschutzmaßnahmen gemäß der EU-Verordnung 2023/564. Zusätzlich zu den bisherigen Angaben müssen folgende Daten erfasst werden:
EPPO-Code der behandelten Kultur
Zulassungsnummer des Pflanzenschutzmittels
BBCH-Stadium der Kultur (wenn zulassungsrelevant)
Startzeitpunkt (Uhrzeit) der Anwendung (bei zeitlich eingeschränkten Indikationen)
Lage der behandelten Fläche (FLIK-Nummer, InVeKoS-Code oder GPS-Koordinaten)
Umfang der behandelten Einheit
Art der Verwendung
Ab dem 1. Januar 2027 muss die gesamte Dokumentation zudem in einem elektronischen, maschinenlesbaren Format vorliegen. Papierformulare oder lose Excel-Listen reichen dann nicht mehr aus.
Wo im Alltag die Zeit verloren geht
Die Belastung durch Bürokratie ist kein neues Thema. Eine Umfrage von top agrar unter mehr als 1.200 Landwirten ergab: 97 Prozent klagen über steigende Belastung durch Dokumentationen, Meldungen und Kontrollen. 40 Prozent der Betriebe verbringen mehr als fünf Stunden pro Woche allein mit Nachweispflichten.
Eine Umfrage der BayWa AG im Jahr 2024 bestätigt das Bild: 81 Prozent der befragten Landwirte empfinden die komplexe Bürokratie und zunehmende Auflagen als starke oder sehr starke Belastung. Zeitdruck nannten 57 Prozent als belastend.
Das Problem liegt nicht nur in der Menge. Die Angaben müssen korrekt und vollständig sein. Fehler bei einer Kontrolle können Sanktionen nach sich ziehen. Gleichzeitig gibt es auf vielen Betrieben keine eigene Bürokraft – der Betriebsleiter macht alles selbst. Und wer nach zehn Stunden auf dem Feld müde ins Büro kommt, macht eher Fehler.
Was ein KI-Sprachassistent leisten kann
Die Idee: Sprechen statt tippen
KI (Künstliche Intelligenz) kann gesprochene Sprache verstehen, den Inhalt interpretieren und daraus strukturierte Daten erzeugen. Ein KI-Sprachassistent auf dem Smartphone funktioniert dabei wie ein digitaler Mitschreiber auf dem Feld.
Der Ablauf sieht so aus: Der Landwirt spricht während oder direkt nach der Maßnahme ins Handy. Die KI wandelt die Sprache in Text um, erkennt die relevanten Angaben und ordnet sie den richtigen Feldern zu. Daraus entsteht ein Pflanzenschutz-Protokoll, das den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
Ein Beispiel: „Heute Schlag 7, Winterweizen, 200 Liter pro Hektar Opus Top gegen Septoria, Wind 3 Meter pro Sekunde Süd, 14 Grad." Aus dieser Eingabe erzeugt die KI ein Protokoll mit Datum, Schlagbezeichnung, Kultur, Pflanzenschutzmittel, Aufwandmenge, Zielorganismus und Wetterdaten. Fehlende Pflichtangaben wie die Zulassungsnummer kann die KI automatisch ergänzen, wenn sie Zugriff auf die zugelassenen Mittel hat.
Konkreter Nutzen im Betriebsalltag
Zeitgewinn: Die Dokumentation entsteht direkt auf dem Feld. Abends fällt die Nacharbeit am Schreibtisch weg oder wird deutlich kürzer. Bei geschätzten 30 bis 60 Minuten Ersparnis pro Tag summiert sich das in der Saison auf viele Stunden.
Weniger Fehler: Wer die Maßnahme sofort nach der Durchführung festhält, vergisst weniger Details. Die KI kann zudem auf Vollständigkeit prüfen und bei fehlenden Angaben nachfragen.
Hände bleiben frei: Auf dem Schlepper oder an der Feldspritze ist Tippen unpraktisch. Eine Spracheingabe geht schneller und sicherer.
Normkonforme Ausgabe: Die KI kann die Angaben so aufbereiten, dass sie den Anforderungen der neuen EU-Verordnung entsprechen – einschließlich EPPO-Code, BBCH und Zulassungsnummer.

So sieht das in der Praxis aus
Situation 1: Routinemaßnahme auf dem Acker
Ein Betrieb in der Prignitz bewirtschaftet 600 Hektar Ackerland. An einem Vormittag im Mai werden auf drei Schlägen Fungizide gegen Septoria in Winterweizen ausgebracht. Der Fahrer spricht nach jeder Maßnahme direkt ins Smartphone:
„Speichere folgende Info: Schlag 12, Winterweizen BBCH 39, 1,5 Liter pro Hektar Elatus Era, Zulassung 007404-00, gegen Septoria tritici, 15 Hektar behandelt, FLIK-Nummer DEBBLI0512040023, heute 7. Mai 2026 ab 9 Uhr, Wind 2 Meter pro Sekunde Nordwest, 12 Grad Celsius.“
Die KI erzeugt daraus ein vollständiges, normkonformes Protokoll. Die Zulassungsnummer und der EPPO-Code für Winterweizen (TRZAW) werden korrekt zugeordnet.
Situation 2: Mehrere Maßnahmen am Stück
Ein Gemischtbetrieb in Teltow-Fläming fährt an einem Tag vier Schläge ab. Statt abends alles aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren, diktiert der Betriebsleiter nach jedem Schlag eine kurze Sprachnotiz.
„Merke dir: Schlag Feldmark Süd, Winterraps, 0,8 Liter pro Hektar Folicur, Zulassung 024041-00, gegen Phoma, 22 Hektar, FLIK DEBBLI0730010018, heute 9 Uhr 30, BBCH 55.“
Am Ende des Tages liegen vier fertige Protokolle vor. Die Nacharbeit im Büro beschränkt sich auf eine kurze Kontrolle – statt einer Stunde Tipparbeit.
Situation 3: Unvollständige Angaben – KI fragt nach
Auf einem Betrieb im Oderbruch spricht der Fahrer ins Handy: „Schlag am Deich, Mais, hab mit Laudis gespritzt."
Die KI erkennt, dass Aufwandmenge, Fläche, Datum und Zulassungsnummer fehlen. Sie fragt gezielt nach: „Welche Aufwandmenge wurde ausgebracht? Wie groß ist die behandelte Fläche? Wann genau wurde die Maßnahme durchgeführt?“ So entsteht Schritt für Schritt ein vollständiges Protokoll.
Schritt für Schritt: So starten Betriebe mit dem KI-Sprachassistenten
Smartphone zur Hand: Ein normales Smartphone mit Internetzugang reicht aus. Spezielle Hardware ist nicht nötig. Die meisten KI-Sprachassistenten laufen als App oder über die Website.
KI-Anwendung auswählen: Es gibt Anwendungen, die auf landwirtschaftliche Einsatzmöglichkeiten zugeschnitten sind. Landwirt.ai ist eine solche KI-Lösung für Bauern. Auch allgemeine Sprachassistenten wie Perplexity oder ChatGPT können für erste Tests genutzt werden. Entscheidend ist, dass die Anwendung die Pflichtangaben der EU-Verordnung 2023/564 kennt.
Betriebsdaten hinterlegen: In bestimmten Anwendungen können Schlagbezeichnungen, FLIK-Nummern und häufig eingesetzte Mittel hinterlegt werden. Das spart Zeit bei jeder Eingabe.
Erste einfache Eingabe testen: Mit einem einzelnen Schlag und einer Routinemaßnahme beginnen. Die Spracheingabe sollte alle Pflichtangaben enthalten.
Ergebnis kontrollieren: Das erzeugte Protokoll mit den tatsächlichen Maßnahmedaten abgleichen. Stimmen Zulassungsnummer, EPPO-Code und Aufwandmenge? Im Zweifel mit der offiziellen Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) oder der Ackerschlagkartei vergleichen.
Schrittweise erweitern: Nach erfolgreichen Tests die Spracheingabe für alle Maßnahmen nutzen. Die erzeugten Protokolle können häufig direkt in bestehende Schlagkarteien übernommen werden.
Tipps für die Praxis
Alle Pflichtangaben nennen: Die KI liefert nur gute Ergebnisse, wenn die Eingabe vollständig ist. Immer Schlag, Kultur, Mittel, Aufwandmenge, Fläche, Datum und – wenn nötig – Uhrzeit und BBCH nennen.
Zulassungsnummer mitsprechen: Auch wenn es lästig klingt – die Zulassungsnummer gehört zu den Pflichtangaben und hilft der KI, das richtige Mittel eindeutig zuzuordnen. Alternativ lässt sich die Zuordnung über eine hinterlegte Mittelliste automatisieren.
Kurze, klare Sätze verwenden: Keine Schachtelsätze. Jede Angabe einzeln und deutlich aussprechen. Hintergrundgeräusche möglichst vermeiden.
Protokolle noch am selben Tag prüfen: Die KI ist ein Hilfsmittel, kein Ersatz für eigenes Denken. Ein kurzer Blick auf das Ergebnis reicht oft – dauert aber nur zwei Minuten statt einer Stunde Tipparbeit.
Vertrauliche Daten schützen: Betriebsdaten, Schlagdaten und Erträge sind sensible Informationen. Vor der Nutzung klären, wo die Daten gespeichert werden und ob der Anbieter sie für eigene Zwecke nutzt.
Stolperfallen und Grenzen
Die KI-Dienste funktionieren – wie auch sonstige digitale (und analoge) Mittel – nicht immer reibungslos. Ein paar Punkte sollten klar sein:
Die rechtliche Verantwortung für die Richtigkeit der Dokumentation bleibt beim Betrieb. Wer sich blind auf die KI verlässt und die Ergebnisse nicht prüft, geht ein Risiko ein.
Spracherkennung hat Grenzen bei Dialekt, starkem Wind oder Hintergrundgeräuschen wie einem laufenden Schlepper. In der Praxis zeigt sich, dass deutliches Sprechen und kurze Sätze die Erkennung verbessern.
Die KI kann Informationen „erfinden" – sogenannte Halluzinationen, wenn auch heute eher zur Ausnahme gehören als zur Regel. In jedem Fall lohnt es sich, das Ergebnis gegenzuprüfen, insbesondere bei bestimmten Daten wie Zulassungsnummern oder EPPO-Codes.
Sensible Betriebsdaten sollten nicht ungeschützt an externe Cloud-Dienste übertragen werden. Der Datenschutz spielt eine wichtige Rolle.
Internetverbindung auf dem Feld
Die meisten KI-Sprachassistenten brauchen eine Internetverbindung. In Brandenburg liegt die 5G-Abdeckung offiziell zwar bei 95 Prozent der Fläche. In der Praxis gibt es aber Unterschiede: Fast jede vierte Person in Brandenburg ist mit dem Mobilfunkempfang unzufrieden. In Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern steigt die Unzufriedenheit auf 30 bis 31 Prozent.
Das bedeutet: In manchen Regionen – im Fläming, in der Lausitz, in Teilen der Uckermark – kann die Verbindung auf dem Feld abreißen. Eine Lösung ist das Zwischenspeichern der Spracheingabe und die spätere Verarbeitung bei bestehender Verbindung. Einige Apps bieten diese Offline-Funktion bereits an.
Fachbegriffe und Dialekt
Die Spracherkennung hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Forschungen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zeigen, dass KI-Systeme bei der Erkennung spontaner Sprache inzwischen eine Fehlerrate unter 5 Prozent erreichen – besser als der Mensch. Allerdings kann die Genauigkeit bei landwirtschaftlichen Fachbegriffen, Produktnamen oder starkem Dialekt sinken. Wer „Elatus Era" sagt, und die KI „Elatus Ära" versteht, bekommt ein falsches Protokoll. Hier helfen betriebsspezifische Wörterbücher und regelmäßiges Korrigieren.
Wohin die Entwicklung geht
Auf der DLG-Wintertagung 2026 wurde deutlich: KI-Agenten, die immer mehr Aufgaben übernehmen können, stehen vor dem Praxiseinsatz. DLG-Präsident Hubertus Paetow sprach von der nächsten Stufe der Rationalisierung. Die Zahl der KI-Einsatzmöglichkeiten zur Automatisierung von Tätigkeiten nimmt zu. KI-Anwendungen wie Landwirt.ai bieten einen einfachen Einstieg in die Welt der KI für Bauern.
Für die Pflanzenschutz-Dokumentation bedeutet das: In den nächsten Jahren werden Sprachassistenten voraussichtlich nicht nur einzelne Protokolle erzeugen, sondern direkt mit der Schlagkartei, dem Betriebsmanagementsystem und dem Maschinencomputer verbunden sein. Der Landwirt spricht auf dem Feld, und die Daten landen automatisch dort, wo sie gebraucht werden – inklusive GPS-Daten, Wetterdaten von der nächsten Station und Maschinendaten von der Feldspritze.
Allerdings wird der Aufbau von Wissen eine entscheidende Rolle spielen. Wie die DLG-Wintertagung betonte: Vor einer erfolgreichen Anwendung der Technologie steht der Aufbau von Know-how. Die KI macht nur dann einen Unterschied, wenn der Landwirt versteht, was sie kann – und was nicht.
Häufige Fragen – hier beantwortet
Brauche ich ein spezielles Smartphone oder besondere Technik?
Nein. Ein normales Smartphone mit aktuellem Betriebssystem und Internetzugang genügt. Der KI-Einsatz wie in diesem Beitrag beschrieben läuft als App oder im Browser, also auf der Webseite. Spezielle Technik ist für diese Art von KI nicht erforderlich.
Was mache ich, wenn die KI etwas Falsches erzeugt?
Jedes Protokoll vor dem endgültigen Speichern kontrollieren. Stimmen Zulassungsnummer, Aufwandmenge und Schlagbezeichnung? Im Zweifel die Daten mit der Pflanzenschutzmittel-Datenbank des BVL abgleichen. Die KI ist ein Werkzeug – die Verantwortung bleibt beim Betrieb.
Funktioniert das auch ohne Internet auf dem Feld?
Die Spracheingabe lässt sich bei vielen Anwendungen auch offline aufnehmen. Die eigentliche Verarbeitung durch die KI braucht in der Regel eine Internetverbindung. Eine Ausnahme sind lokale KI-Lösungen, die vor Ort eingerichtet werden müssen, was etwas komplizierter ist. In Regionen mit schlechter Mobilfunkabdeckung empfiehlt es sich, die Angaben mehrfach zu speichern (oder, falls möglich, die KI darum zu bitten, die Eingaben zu speichern), um sie dann später bei bestehender Verbindung verarbeiten zu lassen.
Kann ich das auch nur für die Pflanzenschutz-Dokumentation nutzen?
Ja. Der Einstieg über einen einzelnen Anwendungsbereich ist sinnvoll. Wer die KI zunächst nur für Pflanzenschutzprotokolle einsetzt, sammelt Erfahrung und kann den Einsatz später auf Düngung, Ernte oder andere Bereiche ausweiten.
Wie gehe ich mit vertraulichen Betriebsdaten um?
Vor der Nutzung prüfen, wo die Daten verarbeitet und gespeichert werden. Seriöse Anbieter informieren darüber transparent. Bei Cloud-Diensten darauf achten, dass die Server in der EU stehen und die Daten nicht zum Training der KI verwendet werden. In den Einstellungen vieler KI-Anwendungen lässt sich die Nutzung der eigenen Daten für Trainingszwecke abschalten.
Erkennt die KI auch Fachbegriffe wie Pflanzenschutzmittel-Namen richtig?
In der Regel ja – bei deutlicher Aussprache. Bei ungewöhnlichen Produktnamen oder schnellem Sprechen kann es zu Fehlern kommen. Hilfreich ist es, dafür eine betriebsspezifische Wortliste zu hinterlegen. Die Erkennungsgenauigkeit verbessert sich zudem mit der Nutzung, da viele Systeme lernfähig sind. KI-Lösungen wie Landwirt.ai werden zudem kontinuierlich optimiert, wodurch sie immer zuverlässiger werden.
Diesen Beitrag hat der Autor mit Hilfe von KI recherchiert und geschrieben. Die letzte Entscheidung lag beim Menschen (Human in the loop).











